• 17:03
  • 20.09.2020
Teheran droht Botschafter mit Ausweisung
politics
20.09.2020

Teheran droht Botschafter mit Ausweisung

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Nach der kurzzeitigen Festnahme des britischen Botschafters Rob Macaire in Teheran hat die iranische Regierung mit dessen Ausweisung gedroht. Das iranische Außenministerium rief die britische Botschaft in einer Erklärung zu einer "sofortigen Beendigung jeglicher Einmischung und Provokation" auf. Andernfalls werde es die iranische Regierung nicht dabei belassen, Botschafter Macaire einzubestellen. Das iranische Volk dulde kein Eingreifen aus dem Ausland, insbesondere von Staaten mit einer "kolonialistischen" Vergangenheit.

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Die iranischen Behörden hatten Macaire am Samstag kurzzeitig in Gewahrsam genommen und ihm vorgeworfen, sich an illegalen Protesten beteiligt und diese provoziert zu haben. Macaire wies die Vorwürfe zurück. Vielmehr sei er zu einer Trauerwache für die Opfer des abgeschossenen ukrainischen Flugzeugs gegangen und habe diese verlassen, als dort regierungskritische Rufe laut geworden seien. Zudem bestellte das iranische Außenministerium Macaire ein.
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Das britische Außenministerium bestellte seinerseits den iranischen Botschafter ein, um gegen die vorübergehende Festsetzung Macaires zu protestieren. Dem Botschafter sollten die "schweren Einwände" gegen diese Maßnahme vorgetragen werden, die einen "nicht hinnehmbaren Bruch" der diplomatischen Gepflogenheiten darstellten, teilte das Amt von Premierminister Boris Johnson mit. Botschafter Hamid Baeidinedschad sollte versichern, dass so etwas nicht wieder vorkomme.

Tränengas gegen Demonstranten
Nach dem Bekenntnis des Iran zum versehentlichen Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs hatte es in Teheran am Samstagabend Proteste gegen die Regierung gegeben. Mehrere hundert Menschen versammelten sich an der Amir-Kabir-Universität, um der 176 Toten zu gedenken. Die Demonstranten forderten aber auch den Rücktritt der Verantwortlichen für den Abschuss und die tagelange Leugnung.
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Seitdem gab es weitere Regime-kritische Demonstrationen. Dabei gingen die Sicherheitskräfte offenbar mit Tränengas gegen die Menschen vor. Auf mehreren Videos war zu sehen, wie eine Menschenmenge nahe des Asadi-Platzes in Teheran mit Tränengas auseinandergetrieben wird und die Menschen schreiend davonrennen. Ein Video zeigte zudem eine blutende Frau auf einem Gehweg. Mehrere Menschen helfen ihr auf und rufen, "Man hat sie angeschossen" und "Verbindet das". Die Nachrichtenagentur AFP konnte die genaue Zeit und den Ort der Geschehnisse aus den Videos nicht überprüfen. Die Videos tauchten jedoch nicht vor Sonntag im Internet auf.

Die Regierung in Teheran bestritt dagegen, dass die Polizei Waffen gegen die jüngsten regierungskritischen Demonstrationen eingesetzt habe. Die Sicherheitskräfte in Teheran hätten "überhaupt nicht geschossen", weil sie einen "Befehl zur Zurückhaltung" bekommen hätten, erklärte Polizeigeneral Hossein Rahimi. Mitte November waren im Iran landesweite Proteste gegen eine Erhöhung des Benzinpreises blutig niedergeschlagen worden. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden dabei mehr als 300 Menschen getötet.
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